Grundlagen des Kegelsports - eine Anleitung -

Das sportliche Training im Kegeln               

Der Begriff Training kann grundlegend für jede zielgerichtete planmäßige Ausbildung zur Steigerung der menschlichen Leistungs-Fähigkeit verstanden werden. Im Bereich des Sports sprechen wir vom sportlichen Training, mit dem die Sportler auf das Erreichen hoher und höchster Ziele vorbereitet werden.

Die Technik des Kegelns

Kegeln als eine technische Sportart setzt die Beherrschung des gesamten Bewegungsablaufs voraus, dessen wichtigste Phasen sind:

- Kugelentnahme

- Startstellung

- Dreischrittanlauf

- Nachstellschritt

- Schlussstellung

- Kugelabgabe.

Kugelentnahme

Die Kugel wird grundsätzlich mit beiden Händen seitlich zu ihrer Laufrichtung aus dem Kugelfangkasten herausgenommen, wobei auf zurückkommende Kugeln zu achten ist.

Dadurch werden Hand- und Fingerverletzungen verhindert. Nach der Entnahme wird die Kugel bis zur Startstellung in der linken Hand getragen, damit der Wurf Arm entlastet wird. Erst nach Einnahme der Startstellung wird die Kugel von der Wurf Hand übernommen.

Startstellung

Die Startstellung bezieht sich zu Beginn der Ausbildung ausschließlich auf den geraden Wurf zum Kegel Nr. 1. Der Sportler nimmt etwa am Beginn der Aufsatzbohle entsprechend seiner individuellen Anlauflänge Aufstellung. Die

Fußstellung wird so eingenommen, dass die linke Kante der Aufsatzbohle zwischen den Füßen liegt; der rechte Fuß muss also auf der Aufsatzbohle stehen.

Entscheidend dabei ist, dass der Wurf Arm über die Mitte der Aufsatzbohle pendeln muss. Sportler mit besonders breiten Schultern oder breitem Becken

nehmen deshalb ihre Startstellung etwas mehr nach links ein. Die Füße stehen parallel in gerader Richtung, oder die Fersen sind geschlossen, die Füße

leicht gespreizt. Die linke Hand unterstützt das Halten der Kugel. Der Oberkörper wird bei durchgedrückten Knien so weit nach vorn geneigt, dass die Wurfhand bei völlig gerade nach unten gestrecktem Arm bis etwa Kniehöhe reicht. Die Startstellung kann auch in aufrechter Haltung mit leicht vorgeneigtem Oberkörper eingenommen werden Dabei liegt der Oberarm am Körper an, und der Unterarm ist leicht nach vorn angewinkelt. Das Hocken vor dem Ablauf ist falsch (Kraftvergeudung, falscher Blickwinkel).

Hand- und Kugelhaltung in der

Startstellung

Die Kugel wird in die Wurf Hand genommen und so auf die Finger gelegt, dass diese weit gespreizt und fest an der Kugel anliegen, so dass die Kugel voll im Handteller ruht. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem Mittelfinger, während der Daumen nach außen zeigt. Die Fingerspreizung bewirkt während des Armschwungs die feste Lage der Kugel in der Hand. Durch diese Haltung wird ein gerader Lauf der Kugel erreicht. Verändert sich die Lage der Handfläche bei der Kugelabgabe nach innen oder außen, bekommt die Kugel einen Drall und verfehlt das gewünschte Ziel. Das Handgelenk bleibt fixiert.

Anvisieren des Ziels

Nach Einnahme der Startstellung und bevor der Anlauf ausgeführt wird, konzentriert sich der Blick zuerst auf das Ziel und geht zurück zur Aufsatzbohle, zum Schnittpunkt, der sich an der Begrenzungslinie zwischen

Bohlenende und Asphalt in der Mitte der Aufsatzbohle befindet, weiter zum gedachten Auflagepunkt .

- Beachte:

Der Wurf Arm mit der Kugel in der Hand, der Auflagepunkt und das zu treffende Ziel müssen eine völlig gerade Linie bilden.

Anlauf  (bildliche Darstellung in Datei am Artikelende !)

Der Anlauf ist das schwierigste technische Element. Es wird der kräfteschonendste Anlauf beschrieben, den wir als Dreischrittanlauf bezeichnen. Der Begriff Dreischrittanlauf bezieht sich auf die Schrittphase vom Antritt aus der Startstellung bis zur Kugelabgabe. Mit der Kugelabgabe ist der Dreischrittanlauf beendet. Der nachfolgende Schritt dient lediglich dem Abfangen des durch den Schwung nach vorn in Bewegung befindlichen Körpers. Bei dieser rhythmisch und zugleich ästhetisch wirkenden Anlaufbewegung bilden Wurf Arm und entgegengesetztes Bein eine Parallele, bei Rechtshändern also der rechte Arm und das linke Bein. Diese Parallelbewegung trägt neben dem Seitwärts schwingen des unbelasteten Armes wesentlich zum Ausbalancieren des Körpers bei.

Besonders zu beachten ist:

- der Oberkörper bleibt während des gesamten Anlaufs gebeugt;

- die Schulterpartien werden nie anders als waagerecht gehalten;

- der Sportler darf den Anlauf nicht kurz vor dem dritten Schritt,

also vor der Kugelabgabe, abbremsen. Der Anlauf bestimmt in erster Linie

die Laufrichtung der Kugel. Dem Sportler stehen bis zur Kugelabgabe drei

Schritte zur Verfügung.

In der Praxis hat sich diese Varianten des Dreischrittanlaufs bewährt:

Bei gebeugter Startstellung

erster Schritt normal, zweiter Schritt etwas verkürzt, dritter Schritt lang (Ausfallschritt).

Grundsätzlich erfolgt der erste Schritt bei Rechtshändern mit dem linken Bein. Bei diesem ersten Schritt, der eine normale Schrittlänge hat, schwingt der Wurf Arm leicht nach vorn an. Mit Beginn des Rückwärtspendelns verlässt die linke Hand (Haltefunktion) die Kugel. Der Oberkörper ist leicht gebeugt.

Zweiter Schritt

Er bringt das rechte Bein nach vorn und wird etwas kürzer ausgeführt.

Der Wurf Arm schwingt dabei in gestreckter Haltung nach hinten bis zum

Umkehrpunkt, etwa in Hüfthöhe, um zu dem notwendigen Schwung auszuholen,

der das Tempo des Kugellaufs bestimmt. Der linke Arm schwingt dabei seitlich, um den Körper auszubalancieren. Der Oberkörper bleibt gebeugt.

Dritter Schritt

Mit Beginn des dritten Schrittes erfolgt ein geradliniger Vorschwung der Kugel.

Hierbei ist es wichtig, dass das natürliche Armpendel ausgenutzt und der Arm nicht seitlich vom Körper weggeschwungen wird. Damit die Kugel möglichst weit nach vorn gebracht werden kann, muss der dritte Schritt ein weiter Ausfallschritt vorwärts sein. Dadurch wird erreicht, dass sich der Oberkörper durch die weit auseinandergespreizten Beine in die tiefst mögliche Beuge begibt und der Wurfarm mit dem Handrücken fast den Boden berührt. In diesem Augenblick muss die Kugel die Hand verlassen.

Nachstellschritt

Nach dem Dreischrittrhythmus erfolgt ein weiterer Schritt nach vorn, mit normaler Schrittlänge, durch den der Anlauf abgebremst wird. Der Oberkörper bleibt dabei gebeugt, und der Wurf Arm geht zum Ziel.

Schlussstellung

Nach dem Abfangschritt wird das linke Bein an das rechte herangezogen, so dass Fuß neben Fuß steht, dabei sollten Neben- bzw. Reflexbewegungen vermieden werden. Nach dem Aufrichten des Körpers wird bei entspannter Haltung der Lauf der Kugel beobachtet, um daraus Schlussfolgerungen für den nächsten Wurf zu ziehen.

 

Kugelabgabe

Die Kugelabgabe muss, wie bereits angeführt, während des dritten Schrittes, des Ausfallschrittes, im tiefsten Punkt des Armschwungs erfolgen. Je tiefer der Oberkörper gebeugt wird, umso geräuschloser kann die Kugel aufgelegt werden. Die Abgabe der Kugel erfolgt vor dem linken Fuß in der Mitte der Aufsatzbohle. Um eine Kontrolle zu erhalten, wird der Blick auf den Schnittpunkt gerichtet und nicht nach vorn auf das Kegelbild.

Die Wurf Hand bleibt bis zur Kugelabgabe fixiert. Bei einwandfreier Fingerhaltung muss der letzte Druck der abgeworfenen Kugel auf dem Mittelfinger liegen. Besonders zu beachten ist, dass der Oberkörper nicht zu schnell, vor allem nicht vor der Kugelabgabe, aufgerichtet wird. Zu schnelles Aufrichten bewirkt eine zu frühe Kugelabgabe und führt zur sogenannten Stauchkugel, was deutlich zu hören ist. Wird die Kugel zu spät abgegeben, nachdem der Tiefpunkt des Armschwungs bereits überschritten ist, wird sie ausgehoben, springt, holpert und kann zu einem Kunststoffwurf führen, der laut Sportordnung geahndet wird. Diese Fehler verhindern eine sichere Kugelführung und damit den Erfolg.

 

Die wichtigsten Kriterien des Bewegungsablaufs:

- Der Anlauf muss geradlinig sein. Die linke Kante der Aufsatzbohle dient während des gesamten Anlaufs als Richtungsorientierung;

- Arm- und Beinbewegungen sind in einen harmonischen Einklang zu bringen;

- tiefste Beuge des Oberkörpers im Moment des Abwurfs;

- ausgeprägter rhythmischer Armschwung mit einer Kugelabgabe im vorderen Bereich der Aufsatzbohle;

- Verhindern von Handdrehungen;

- der Blick muss während des gesamten Bewegungsablaufs auf den Schnittpunkt der Kugel gerichtet sein.

 

Der Kegelfall

In der angehängten Datei zeigt ein Bild schematisch, wie mit einem Wurf in die rechte Gasse eine ,,9" zu Fall gebracht wird, wobei der Kugelschlag durch eine durchgehende Linie und der Kegelschlag durch eine gestrichelte Linie gekennzeichnet wird. Es ist zu erkennen, dass die Kegel Nr. 1, 3, 5, 8 und 9 durch die Kugel, Kegel Nr. 6 durch Kegel Nr. 3, Kegel Nr. 2 durch Kegel Nr. 1, Kegel Nr. 4 durch Kegel Nr. 2 und Kegel Nr. 7 durch Kegel Nr. 5 fällt. Voraussetzung ist, dass die Kugel zwischen Kegel Nr. 1 und 3 einschlägt. Analog in die linke Gasse. Die Kegel werden unterhalb des Schwerpunktes in 8 cm Höhe getroffen. Darüber hinaus entscheiden Millimeter beim Auftreffen der Kugel auf den Kegel Nr. 1 über die Fallwirkung der Kegel, wobei noch zu beachten ist, dass die Kugel einen Lauf von 19,50 m hinter sich hat und eine Laufänderung durch einen minimalen Fingerdruck eintreten kann. Das

unten abgebildete Trefferschema macht deutlich, welche Fallwirkungen der Kegel durch die verschiedenen Anschläge auf den Kegel Nr. l entstehen. Trifft die Kugel voll auf, fallen in der Regel nur drei Kegel, und zwar Nr. 1, 5 und 9 oder 1, 7 und 8; trifft die Kugel dreivierteivoll auf, fallen bereits 5 Kegel

(Nr. 1, 5, 7, 8 und 9), bei halb- und viertelvollem Auftreffen 6 bis 9 Kegel.

 

Abräumen der Einzelkegel

Das Abräumen der Kegel Nr. l bis 9 bringt ständig seitliche Veränderungen der Startstellung mit sich. Es ist wichtig, dass sich der Sportler die einzelnen

Ausgangsstellungen einprägt. Ferner ist zu beachten: die richtige Startstellung mit Körperdrehung zum Ziel, die Konzentration auf das Ziel mit Blickrichtung auf den Schnittpunkt, eine tiefe Kugelabgabe aus der vorgestreckten Hand, die das Gefühl aufkommen lässt, dass die Wurf Hand bis zum Ziel reicht.

Abräumen der Kegelgruppen

Kegelgruppen sind die nach dem Anwurf (Wurf in das volle Bild) stehengebliebenen Kegel, die sämtlich abgeräumt werden müssen. Die Kegelgruppen, die nach dem Anwurf stehenbleiben, sind vielgestaltig. Das Ziel ist, mit dem zweiten Wurf nicht nur einen Kegel zu treffen, sondern, wenn möglich, die gesamte Kegelgruppe. Um dies zu erreichen, ist grundsätzlich der dem Sportler am nächsten stehende Kegel anzuspielen. Nur dadurch können andere noch stehende Kegel getroffen und im Zusammenwirken von Kugel- und Kegelschlag die gesamte Kegelgruppe abgeräumt werden.

 

(Bilder dazu siehe Folgedatei !)

 

 

Bilder zum vorstehenden Artikel
Kegelbilder beim Kegeln.docx
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